THEATER DANZIG
THEATER
DEZEMBER 2004
3716 M² NNF
Danzig bietet einen geschichtsträchtiger Bauplatz, einen Stadtteil mit Architektur als Ausdrucksform verschiedener Epochen, mit einem Blick auf Kunst als Stilmittel im Wandel der Zeiten und Philosophien.
Das Projekt fordert zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit heraus. Der hohe Wert von Vergangenem in der Gegenwart wird in Erinnerung und zu neuem Leben gebracht, als zeitgemäße und moderne Ausdrucksformen etabliert und in ein Blickfeld für zukünftige Generationen gestellt.

Bühnen- und Zuschauerraum
Das einzige Elisabethanische Theater außerhalb Englands dürfte seinerzeit in Mitteleuropa ein revolutionärer Ansatz gewesen sein. Die Verschmelzung von Bühne und Zuschauerraum, von Akteur und Beobachter, von Scheinwelt und Realität, von Aktion und Reaktion – dies trug und trägt einen hohen Reiz und Herausforderung in sich. Das Geschehen, das Gespielte verschmilzt idealerweise in dieser Symbiose mit dem, der diese Scheinwelt betritt.
Unser Projekt wählt die Kreisform des Theaterraumes, um die Zuschauerbereiche in eine unmittelbare Nähe der Bühne zu führen. Die Galerien sind zur Aktion geneigt, Besucher der Ränge erleben das Geschehen unmittelbar, der Zuschauerraum verschmilzt zu einer Gesamtheit mit der Bühne. Kurze Distanzen schaffen Raum für optimale Sicht, maximales Erleben und Integrieren - Geist des Elisabethanischen Theaters, ebenso Atem jedes Guckkastentheaters, jeder Ausstellung, Aktion im Theaterraum.
In der Kreisform greift das Projekt zurück auf die traditionelle Grundrissform des Globe Theaters in London. Wertvolles Gedanken- und Ideengut soll übernommen werden, im selben Moment jedoch dem Gebäude zeitgemäße und moderne Materialien und technische Funktionen eingehaucht werden. Eine sinnvolle Verschmelzung von alter und wertvoller Geschichte und zeitgemäßer, signifikanter Architektur des 20. Jahrhunderts.
In diesem Gedankengut manifestiert sich ebenso die Flexibilität und Variabilität des Bühnen- und Parkettbodens als ein Kernstück des Theaters. Der Bühnenboden kann in verschiedenen Phasen und Stellungen gehoben werden, schafft Raum für variable Aktionen, freie Bewegung als Ausdruck einer überraschenden und notwendigen multifunktionalen Theaterwelt.

Das Foyer
Jenem Teil des alten Elisabethanischen Theaters, der der Gegenwart erhalten ist, soll im Foyer ein besonderer Stellenwert beigemessen werden. Die Ausgrabungen mutieren zu einem Part des Theatererlebens.
Im Foyer entstehen zwei Ebenen, welche die 3 Ränge des Zuschauerraumes erschließen. Ein lebendiges Umfeld einer Aufführung, Annehmlichkeiten des modernen Theaters, Wandeln, sich Begegnen, beobachten und beobachtet werden.

Theater Danzig – ein neues Wahrzeichen der Stadt
Das Freispielen im Bauplatz, der Weite und Offenheit signalisiert, lässt die Ablesbarkeit unseres klaren Baukörpers zu. Eine umlaufende, umschließende, durchsichtige Glashülle, Ruhe für das Auge, Einblick in das Geschehen, lässt miterleben, ein Spiel von Offenheit und Geschlossenheit des Theaters, von strahlendem Glanz einer Aufführung. Der Bauplatz fordert heraus sich nicht schreiend darzustellen, sondern in einer Noblesse dem Theater zu dienen.
Der Zuschauerraum erhebt sich kegelförmig aus dieser Hülle, durchschneidet die umfassende Kubatur und bildet mit seiner Oberlichte einen markanten Part der Silhouette des Theaters, der Silhouette der Stadt Danzig. In schwarzem Sichtbeton gefärbt steht er in seiner Kraft der Gesamtform des Theaters gegenüber, ein Fingerzeig der Kunst, ein Erahnen einer anderen Welt, eine klare Manifestation modernen Theaters und Ausdrucksform zeitgemäßer Architektur.