LANSERHOFWIESE MOOSSTRASSE
ARCHITEKTURPREIS 2008
Land Salzburg
Anerkennung
Die hochkarätig besetzte Jury des Landesarchitekturpreises 2008 unter dem Vorsitz des Architekten Michael Hofstätter (weitere Mitglieder: Gerd Erhartt, Norbert Mayr, Gerhard Mitterberger, Kim Thornton) hat das Bauvorhaben "Verdichtung Lanserwiese" mit dem Landesarchitekturpreis 2008 Anerkennung ausgezeichnet.

In der Beurteilung der Jury heißt es zum Projekt:
Der prognostizierte jährliche Wohnungsbedarf innerhalb der nach intensiver Grünlanddebatte festgelegten Bebauungsgrenzen führte zur Forderung der Stadtplanung, einen beachtlichen Teil durch Nachverdichtung zu generieren. Dieser Druck auf bestehende Bebauungsstrukturen kann zu Lasten wertvoller Frei- und Zwischenräume gehen.

Ein äußerst gelungenes Beispiel bildet hingegen die Wohnanlage Lanserhofwiese von Wimmer Zaic Architekten. Hier paart sich das städtebauliche Konzept – ein intelligenter Lärmschutz durch vier leicht versetzte Riegel entlang der Moosstraße und ein zum Bestand vermittelnder Solitär – mit der Schaffung hoher Wohnqualität in 83 neuen Einheiten.

Wimmer Zaic nutzen mit ihrem Vorschlag die großzügigen Freiräume einer Nachkriegssiedlung. Große Flächen an der Moosstraße hatte ein Parkplatz besetzt. Alle Abstellplätze kamen in die Großgarage. Der Gestaltungsbeirat regte an, die vier Riegel nicht – mit Parkplätzen im Erdgeschoß – aufzuständern, sondern die Garage rund ein Halbgeschoß tief zu legen: Tageslicht und natürliche Belüftung verbanden sich so mit verbessertem Lärmschutz zur Moosstraße. Größere Wohneinheiten ergänzen den Kleinwohnungsbestand und fördern die Durchmischung des Quartiers. Die Jury übt Kritik an der unzulänglichen Freiraumgestaltung in bestehenden wie neu geschaffenen Bereichen. Hier hat der Wohnbauträger GSWB große Verbesserungspotenziale.

Norbert Mayr



VERÖFFENTLICHUNGEN:


LANSERHOFWIESE MOOSSTRASSE
WOHNBAU
OKTOBER 2007
5.400 M² NNF
Die bestehende Wohnsiedlung an der Lanserhofstraße im Stadtgebiet von Salzburg wird durch eine Wohnbebauung, welche die Moosstraße begleitet, sowie einen Solitärbau innerhalb der Siedlung ergänzt und zu einem modernen und architektonisch ansprechenden städtischen Areal erweitert.

Die Baukörper entlang der Moosstraße treten als rhythmisch und ruhig wirkende lineare Baukörper auf. Durch ihre strukturierte Anordnung bilden sie keine Barriere zur Moosstraße, sondern treten in eine Wechselwirkung zum Straßenraum und der umliegenden Siedlungsstruktur - Einblicke und Durchblicke werden gewährt. Zwischen den Baukörpern, die in unterschiedlicher Distanz zueinander stehen, bilden sich Freiräume der Durchwegung.  Die Baukörper treten als dreigeschoßige Objekte hervor, in der vierten Ebene werden punktuell Kuben aufgesetzt.

Die Objekte entlang der Moosstraße werden in den drei Grundfarben „rot / gelb / blau“ mit der Mischfarbe „grün“ gehalten. Innerhalb eines Objektes werden diese charakteristischen Gebäudefarben in unterschiedlichen Farbnuancen ausgebildet, sodass ein farblich strukturiertes und differenziert belebtes Bild innerhalb der Gebäudefluchten entsteht.

Die Gebäude werden grundsätzlich nach Westen orientiert, die der Moosstraße zugewandte Objektseite beinhaltet die laubengangartige Erschließung und zieht hierin eine lärmabschirmende Wirkung der Wohnbereiche nach sich. Den Wohnungen sind westseitig Loggien zugeordnet, die durch Rücksprünge in der Gebäudehaut gebildet werden. Die Brüstungen sind gemauert, wodurch die Putzfassade fortgeführt wird. Durch die Loggien gelangt die tief stehende Sonne in die Gebäude, die hoch stehende Sommersonne wird abgeschirmt. Auf dieser grundrisslichen Konzeption basiert einer der Faktoren einer energiebewusster Bauweise: die Öffnungen gegen Westen sind im Gegensatz zur Westfassade groß gestaltet, wodurch die logische Ausnutzung der natürlichen Sonneneinstrahlung im Sinne einer Reduktion  notwendigen Energiebedarfs bedacht wird.

Im Inneren des Areals richtet sich ein Solitär auf, der in seiner Ausbildung der dritten Dimension hervortritt und betont wird – er überragt die Bestandsbauten sowie die Riegel entlang der Moosstraße. Dieser Baukörper soll hervortreten und ganz bewusst das Muster der Siedlung erweitern. Die Großräumigkeit des Innenhofes erlaubt ein Gebäude in dieser Ausdrucksweise, einen Orientierungspunkt in einem freien und ungeschränkten Blick ins Umfeld.

Die Erdgeschoßzone bleibt frei, transparent und durchsichtig. Ein schwebendes und dadurch luftig wirkendes Erscheinen des Baukörpers wird erzeugt. Sichtbar allein wird das vertikale Erschließungselement – der gläserne Liftturm.

Die Markanz des Baukörpers liegt neben seiner Dimensionalität in seiner ruhig gehaltenen Putzfassade, die nur durch punktuelle gesetzte Fensteröffnung geprägt sind. Nur in der obersten Ebene gestaltet ein durchlaufendes Balkonband mit rundum laufender Glasbrüstung die Fassade. Andererseits treten Kuben aus dem Baukörper hervor, die in ihrer Farbgebung zusätzlich betont werden. Die Kuben werden mit großflächigen Alu- Tafeln mit Bedruckung verkleidet, Andersartigkeit, die dem Solitär ein belebtes Aussehen verleiht. Ein spannendes und interessantes Bild der Bedruckung wurde in einer Satellitenaufnahme der „Sahara“ der Fa Geospace gewählt, diese findet sich als Fassadenverkleidung rückspringender großer Wandflächen beim Solitär wieder.

Bei der Energieversorgung des Siedlungsgebietes erscheint wesentlich, dass diese über Sonnenkollektoren mit einem angeschlossenen Pufferspeicher erfolgt, welche die gesamte Warmwasserbereitung abdeckt.

Ein weiterer energietechnisch relevanter Gesichtspunkt liegt in der Bauweise der neuen Objekte. Die Tragkonstruktion mit Decken und Wänden, sowie Wohnungstrennwände werden in Betonbauweise erstellt. Einstrahlende Sonnenwärme wird an die massiven Betonbauteile abgegeben, sorgen für ein angenehmes Raumklima und führen zu einer zeitverzögerten Abstrahlung. Die positive Eigenschaft der Betonwände als Speichermasse lassen sich kombinieren mit einer Einhüllung des Objektes mit hochwertigen Wärmedämmstoffen und stellen ein sinnvolles Energiekonzept dar.

Der Gesichtspunkt einer wirtschaftlich vertretbaren Bauweise unter dem Aspekt einer raschen Bauabwicklung und Erfüllung modularer Bauweise erscheint bei der Realisierung der Siedlungserweiterung verwirklicht.