WOHNHAUS DR. KLINGER
WOHNHAUS
FEBRUAR 1994
300,00 M² NNF
Irritation, Herausforderung, Erregung bis zur Provokation - Schlagworte, die das Gebäude in den Augen der umliegenden biederen Umgebung einer Einfamilienhaussiedlung treffen. Den Maßstab zur Beurteilung bildet dabei das Althergebrachte, Gewohnte. Gestalterische Normen dürfen nicht gebrochen werden, Aussehen ist einheitlich von der Dachform, Brüstung bis zum Gartenzwerg, und soll auf ewige Zeiten unverändert bleiben.

Das Gebäude setzt sich dieser verkorksten Haltung entgegen. Es besticht durch seine klare Formgebung, die Körperhaftigkeit des Gebäudes wird schnell erfasst und erscheint daher ruhig. Die Fensteröffnungen gliedern, einem Gemälde gleich, die Fassade, gesetzt aber keineswegs ohne Bezug zum gesamten Erscheinen. Und gerade auch darin liegt die Spannung und der Gegensatz zu einer inspirationslosen Fassadengestaltung, wie leider so oft in der Umgebung vorhanden.

Natürlich verdient die Farbgebung Beachtung, da sie sicherlich zu einem der meist diskutierten Themen des Gebäudes zählt. Herausragender Mut zur Farbe wird sichtbar, einerseits in der Offenheit des Bauherren begründet, andererseits im Feingefühl des Architekten bewusst gesetzt. Die Farbgebung verstärkt den kubischen Gesamteindruck des Gebäudes, setzt eine klare Umrahmung und Gliederung, die Fensterflächen wie der aufgesetzte Dachaufbau werden als eigene Elemente erkannt.

Von der Funktion her gelingt eine klare Trennung zweier Wohn- bzw. Büroeinheiten. Verbindungen werden in einer sinnvollen Weise hergestellt, Privatsphäre wird gewahrt durch eine klare Abtrennung und Vermeidung von Einblicken. In einer derart gestalteten Synergie kann ein koexistentieller Funktionsmix erreicht werden, der auf unnötige Spannungen und Konflikte Augenmerk legt, und es gelingt diese zu vermeiden.