BÜROGEBÄUDE MOOSSTRASSE
BÜRO- UND WOHNHAUS
JÄNNER 1997
1.100,00 M² NNF
Von der Raupe zum Schmetterling...

Ein fades, alltägliches Haus mit einer großen Laderampe und einem riesigen Satteldach, ohne Proportionen und ästhetische Ansätze. Schlecht in seiner Bausubstanz, unbenutzt und unbemerkt. Eines von vielen Häusern, an die sich das menschliche Auge gewöhnen musste im Laufe der Zeit.

Dieses Gebäude erfährt eine wahrhafte Metamorphose.

Eine neue Gebäudekomposition entsteht, die durch heterogene Elemente gebildet werden: „Schwarz" - „Weiß" - „Aluminium". Jedes Element und seine Ausformulierung folgern verschiedenste unterbewusste Reaktionen - ein spannendes Wechsel- und Fragespiel liegt im einzelnen Element und in der Verbindung zum anderen begründet.

Ein scharfkantiges Objekt, geformt aus zwei klar ablesbaren, versetzten Kuben. Sachlichkeit, Proportionierung und Funktionalität bilden das Grundthema. Von der Kubatur bis hin zur Formulierung der einzelnen Fensteröffnungen, vom Großen bis ins Kleine, ein Prinzip, das alles durchzieht.

Schwarz verputztes Mauerwerk wurde geschaffen, das in der Sonne irritierend flimmert und schimmert. Hinter dem Schimmern verbirgt sich eingestreuter Glimmer, der einer ansonsten gewöhnlich hergestellten Putzoberfläche ein besonderes Aussehen verleiht und ihr Charakteristikum, durch dieses zusätzliche Gestaltungsmittel, völlig verändert - von matt zu glitzernd.
Schwarz steht in einer Synergie zu „Moor", zu alten verwitterten Stadeln und Scheunen aus Holz - einem bestimmenden Element der vorhandenen Geographie in einer ehemals sehr ländlichen Randlage, die in den vergangenen Jahren zunehmend mit der Stadt zusammengewachsen ist. Es soll wiedererscheinen im neu Hinzugedachten, die Dialektik hierzu soll verstanden werden.
Schwarz unterstreicht, viel mehr als andere Farben, Kanten und Formen, besonders vor einem klaren, blauen Himmel wird ein starkes Kontrastbild gemalt.

Aluminium Paneele dagegen reflektieren das Sonnenlicht, leuchten darin. Die Oberfläche ist gänzlich unterschiedlich, leichter und weicher, strukturiert durch die das Gebäude umspannende Horizontalteilung. Das Objekt springt in der obersten Ebene zurück, einem Penthouse gleich. Auf dieser Gebäudeebene wurden Wohnungen geschaffen, mit umlaufenden Freibereichen und einem für diese geografische Lage charakteristischen, traumhaften Ausblick.
Ein ganzes Geschoß wird durch Leichtigkeit gekennzeichnet, und tritt in eine Dialektik mit dem „darunter liegenden". Vielleicht liegt im Zurückspringen auch eine Erinnerung an das ursprüngliche Satteldach begründet.

Am Grünstreifen zur Straße stehen weiße Raumeinheiten vor dem Gebäude, Mauerscheiben, würfelartig angeordnet, sie bilden ein Stück weit ein „Geheimnis", dem Vorbeieilenden bleibt das „wozu" und „warum" verborgen. Nur in der Erforschung des „wieso" kann dieses Ideengut gelüftet werden - in einem Kubus wurde ein uneingesehener Ort der Ruhe, im gegenüberliegenden ein Skulpturgarten kreiert.

Am Ende hat das „Alte" sein belangloses Gesicht verloren.